Kennen Sie LUCA?

LUCA ist Ihr Urururgroßvater. Na gut, sie müssen noch einige „ur“ hinzufügen, und ob es ein Großvater oder eine Großmutter war, darüber kann man streiten. Auf jeden Fall sind Sie ein Nachkomme von LUCA.

Wer ist LUCA? „LUCA“ heißt mit vollem Namen: last universal common ancestor. Auf Deutsch: Letzter gemeinsamer Vorfahre, und zwar allen Lebens. Mit LUCA fing das Leben an – und darüber etwas zu wissen, ist hochinteressant. Prof. Martin hat mit seinen Kollegen am  Institut für Molekulare Evolution der Universität Düsseldorf Millionen Gene von primitiven Einzellern untersucht, um bis zu den Anfängen vorzustoßen. Dabei konnten sie wesentliche Eigenschaften von LUCA und im Prinzip sogar seine Adresse herausfinden. Die Vermutungen über den Anfang des Lebens, die schon länger diskutiert wurden, sind mit den Untersuchungen in Düsseldorf jetzt erhärtet.

LUCA benötigte weder Sauerstoff noch Sonnenlicht. Das finde ich sehr bemerkenswert, und es hat enorme Konsequenzen. Was benötigt LUCA dann? Auf einen kurzen Nenner gebracht: heißes, mineralreiches Wasser, Kohlendioxid und Stickstoff. So hat das Leben begonnen. Die Sache mit dem Sauerstoff und Sonnenlicht kam später dazu.

Wenn das alles ist, steigen die Aussichten, in Zukunft Leben zu finden, rasant, denn diese Zutaten gibt es Zuhauf. Die habitablen Zonen (also die Bereiche eines Sonnensystems, in denen es flüssiges Wasser an der Oberfläche gibt), auf die man Leben eingegrenzt hat, sind damit veraltet. Sie definieren nur noch den Raum, in dem es oberflächenbasiertes Leben geben kann, mehr aber auch nicht. Ansonsten ist Leben an vielen Stellen möglich, also auch auf fernen Planeten und Monden, die Nähe zur Sonne oder die Außentemperatur sind zweitrangig.

Die Wahrscheinlichkeit, zukünftig auch in unserem Sonnensystem Leben zu finden, ist damit ziemlich hoch. Wie weit es sich entwickelt hat, kann natürlich niemand sagen. LUCA hat es jedenfalls weit gebracht, wenn man seine Urururenkel ansieht. Aber auch da, wo es kein schönes, warmes Sonnenlicht gibt, muss es nicht trist sein. Wenn man sich die Schwarzen Raucher in der Tiefsee ansieht (die wahrscheinliche Adresse von LUCA), stellt man fest, dass LUCAs Enkel auch da unten in der Dunkelheit blühendes Leben hervorgebracht haben. Vielleicht gibt es ja irgendwo da draußen in unserem Sonnensystem mehr solcher Flecken, an denen das Leben blüht und „die Post abgeht“. Nach den neuesten Erkenntnissen stehen die Chancen dafür ziemlich gut, jetzt braucht es nur noch etwas mehr Ehrgeiz der Menschen, diese Flecken auch zu finden.

Wer mehr darüber lesen will, findet hier die aktuelle Pressemeldung der Universität Düsseldorf dazu.

 

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(Von LUCA gibt es leider keine Fotos, deshalb eine Darstellung eines seiner Nachkommen, eines Lysteria Bakteriums)

IQ oder Marshmellows – was ist wichtiger für Ihren Erfolg?

Jahrzehntelang war man der Ansicht, dass ein hoher IQ Garant für ein erfolgreiches Leben ist. Wer intelligent ist, hat Erfolg, so die Gleichung. Beispiele dafür gibt es genug – aber leider auch für das Gegenteil. Lewis Terman, der Erfinder des IQ-Tests war zunehmend verstört, weil er erkennen musste, dass eine hohe Zahl der Schüler mit dem höchsten IQ später niedrigen Tätigkeiten nachgingen oder sogar als Versager oder Kriminelle abgestempelt wurden.

Inzwischen weiß man mehr, und das hat mit Süßigkeiten zu tun: den Marshmellows. Der Stanforder Psychologe Walter Mischel hat den Marshmellow-Test entwickelt, in dem es darum geht, dass Schüler im Alter von 4 bis 6 Jahren sich entscheiden müssen: Ein Marshmellow sofort oder zwei in zwanzig Minuten. Bei Untersuchungen Jahre später stellte sich dann heraus, dass die Schüler, die warten konnten, durchgängig erfolgreicher waren als die anderen. Das war kein Zufall, sondern ist durch zahlreiche ähnliche Tests bestätigt und inzwischen auch mit Hirnscans biologisch untermauert.

Sich beherrschen und warten können, ist somit für den eigenen Erfolg deutlich wichtiger als der IQ. Aber das ist nicht alles – und jetzt komme ich zum Thema „Science Fiction“: Um warten zu wollen, ist eine Fähigkeit sehr wichtig: Die Zukunft zu simulieren!

Simulationen der Zukunft sind ein entscheidender Baustein für Erfolg. Das hört sich hochgestochen an, ist aber das, was unser Gehirn andauernd tut. Bei jeder Entscheidung spielen wir mögliche Zukunftsszenarien durch. Beim Marshmellow-Test stellen sich Kinder vor, wie toll es ist, statt einem zwei Marshmellows zu haben. Wenn Sie ein Date haben, stellen Sie sich vor, wie ihr Kleid oder Ihre Frisur auf den anderen wirkt. Wenn Sie in ein Meeting mit ihrem Chef gehen, stellen Sie sich vor, was er fragen wird. Sie spielen verschiedene Antworten durch und wählen dann (hoffentlich) die beste. Und so weiter. Fast alle Entscheidungen, die wir treffen, große oder kleine, basieren auf unseren Vorstellungen, was sie für Folgen nach sich ziehen könnten. Das sind Simulationen und nichts anderes. Wer das gut kann, wird gute Entscheidungen treffen und auf Dauer mehr Erfolg bei anderen Menschen und im Beruf haben.

Der Marshmellow-Test gibt einen frühen Hinweis, ob man gut im Simulieren von Zukunft ist. Aber man kann sich natürlich auch verbessern. Durch Übung, wie meistens. Zum Beispiel, in dem man seine Phantasie trainiert, sich zukünftige Entwicklungen vorzustellen. Da haben alle, die Science Fiction lieben, einen natürlichen Vorteil: Sie trainieren quasi beim Entspannen ihre Fähigkeiten zum Erfolg. Das ist doch phantastisch. – Ach, ich liebe Science Fiction.

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Brexit, IS & Co: Geburtswehen einer planetaren Zivilisation

Man kann die Entwicklung der menschlichen Zivilisation in verschiedene Stufen einteilen. Wir erleben gerade den Übergang in eine neue Stufe – mit allen damit verbundenen Vor- und Nachteilen, Fortschritten und Ängsten.

In der Steinzeit gab es die Familie/den Stamm, die „Produktion“ bestand aus Jagen und Sammeln, und die Kommunikation beschränkte sich auf das Sprechen. Es folgte die Stufe der Stadtstaaten/Königreiche mit Ackerbau, Viehzucht und Schrift. Dann kamen die Nationalstaaten mit industrieller Produktion und Buchdruck/Telefon. Die älteren Leser dieses Blogs (und auch ich) haben die letztgenannte Stufe unserer Zivilisation noch in Reinform erlebt – aber diese Zeit ist vorbei. Über Internet kommunizieren wir weltweit in Echtzeit, ob Sie diese Zeilen in Deutschland lesen oder irgendwo auf der Welt, spielt keine Rolle mehr. Genauso ist das Gerät, auf dem Sie diese Sätze sehen, ein Produkt einer weltweiten Zivilisation. In jedem Computer, Tablet oder Handy stecken tausende Patente von Wissenschaftlern oder Unternehmen auf der ganzen Welt. Kein Unternehmen und kein Land kann moderne Technik herstellen, ohne auf Kenntnisse und Produkte von anderen zuzugreifen.

Auch wenn der Begriff „planetare Zivilisation“ etwas hochgestochen klingt, deckt er doch das ab, was auf uns zukommt – und was wir teilweise schon erleben. Wir leben „planetar“, sei es, ob Sie im Urlaub auf die Malediven fliegen oder in Ihrem Auto das Öl aus der arabischen Wüste verbrennen: Wir nutzen (und verschmutzen) nicht mehr nur unser Land sondern den ganzen Planeten.

Mit der Änderung der Produktion und der Kommunikation ändert sich zwangsläufig auch die Gesellschaftsform. Die Wissenschaftler der Great Scenario Group (mehr dazu hier) nennen die Weltregierung als nächste Stufe, aber das wird wohl noch etwas dauern, weil die Menschen doch sehr eigenwillig sind. Sicher ist aber, dass der Nationalstaat zu der Zivilisationsstufe gehört, die wir mit unserer Technik, Kommunikation und Lebensweise bereits hinter uns gelassen haben. Es wird ihn weiterhin geben, wie es auch noch Familie gibt, aber die Bedeutung wird sich verschieben. Auch Staaten müssen sich miteinander absprechen, weil sonst vielleicht Rohstoffe oder Handelsbeziehungen gefährdet sind. Ob sie wollen oder nicht, sie stehen in Konkurrenz zueinander und werden verglichen.

Diese Veränderungen verursachen jede Menge Ängste, weil die eigene bekannte Welt nicht mehr durch Grenzen geschützt ist. Da kann die Firma, in der man arbeitet, nicht nur ihre Produkte nach China verkaufen, sondern verlagert ihre Produktion dorthin, oder stellt einen polnischen Arbeiter ein. Da erkennen Menschen in muslimischen Ländern plötzlich, dass z. B. die vom Islam bestimmte Lebensweise nicht die einzige auf der Welt ist, sondern dass Milliarden Menschen anders leben – und dabei Erfolg haben. Das rüttelt am Selbstbewusstsein und nicht wenige versuchen, diese Entwicklung aufzuhalten oder zurückzudrehen.

Was bedeutet das für unsere Zukunftsaussichten?

  1. Die Entwicklung zu einer planetaren Zivilisation lässt sich nicht aufhalten. Den weltweiten Informationsaustausch über Internet und Fernsehen kann man ebensowenig abschalten wie die Möglichkeit zu Reisen, die wir wegen unserer Erholung möchten oder für unsere Arbeit brauchen. Dass unser Leben planetare Ausmaße erreicht hat, ist jetzt schon Tatsache, nur die Gesellschaftsform hinkt noch hinterher.
  2. Die Entwicklung wird sich sogar beschleunigen. Früher sorgten geniale Einzelpersönlichkeiten für Fortschritt, heute sind es große, meist internationale Teams. Waren früher nur wenige Länder innovativ, sind es heute viele Länder auf dem ganzen Planeten. Jeden Tag gewinnen weltweit Millionen Wissenschaftler neue Erkenntnisse, und Millionen Ingenieure arbeiten täglich daran, bestehende Produkte zu verbessern oder neue zu erfinden. Weltweit. Die Idee, die ein koreanischer Entwickler hat, werden Sie diesen oder nächsten Weihnachten vielleicht in Form eines neuen Handys in der Hand halten. Niemals haben so viele Menschen am Fortschritt unserer Zivilisation gearbeitet, weshalb die Fortschritte und Veränderungen auch immer schneller kommen. Und wenn dann noch die Künstliche Intelligenz hinzukommt (wie früher in diesem Blog beschrieben), wird sich das Tempo weiter erhöhen.

Veränderungen sind oft schmerzhaft und mit unschönen Effekten verbunden. Wer wünscht sich schon Pickel im Gesicht? Aber Erwachsen-Werden möchte trotzdem jeder. Brexit, der Islamische Staat und manches Andere sind schmerzhafter Teil dieses Prozesses, denn bei Veränderungen wird es immer widerstreitende Kräfte geben. Den großen Prozess werden sie nicht aufhalten können, denn die Tatsachen sind ja schon da. Es bleibt nur zu hoffen, dass bei den widerstrebenden Kräften nicht zu viele Menschen auf der Strecke bleiben und der Schaden nicht zu groß wird. Insgesamt wäre es sicher besser, seine Kräfte dafür einzusetzen, dass das Erwachsen-Werden der Menschheit möglichst gut gelingt.

Hallo, liebe Designer-Babys

„Machen wir die Augen blau oder braun?“

„Blau passt besser zu den blonden Haaren, die wir ausgesucht haben.“

„Okay, aber dann machen wir die Nase etwas kleiner.“

„Hmm. Mehr als fünf Prozent höhere Intelligenz kostet extra.“

„Willst du etwa an unserem Kind sparen?“

So oder so ähnlich könnte eine Diskussion verlaufen, die zukünftige Eltern vor der Zeugung eines Babys führen werden. Nein, nicht in einem Science Fiction Roman und auch nicht im nächsten Jahrhundert. Früher. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie, lieber Leser, das noch erleben, ist ziemlich hoch. Sie sind skeptisch oder halten das für übertrieben? Mal sehen, ob Sie am Ende dieses Eintrags noch genauso denken 🙂

Mit der Entdeckung des „Gotteswerkzeugs“ CRISPR/Cas9 haben die Menschen die nötige Technologie zum Design von Babys in der Hand. Im Moment zwar nur rudimentär, aber die Weiterentwicklung ist bloß eine Frage der Zeit. Ob sie auch eingesetzt wird? Jetzt könnte man einfach argumentieren: „Was möglich ist, wird auch gemacht.“ Das ist (leider) so, aber es gibt noch bessere Argumente.

Mit dem Gotteswerkzeug kann man Erbkrankheiten ausschalten und viele Behinderungen vermeiden. Würden Sie das nicht wollen? Würden das nicht alle verantwortungsvollen Eltern wollen? Natürlich. Also kommt das Werkzeug zum Einsatz. Und wenn man eh schon mal dabei ist, könnte man doch auch dafür sorgen, dass die Tendenz zu Übergewicht sinkt, oder das Kind nicht so eine komische Höckernase wie der Opa bekommt. Das sind zwar keine Krankheiten, aber das Leben würde dadurch leichter. Schöne Menschen machen einfacher Karriere. Das ist wissenschaftlich erwiesen, und wer möchte seinem Kind nicht eine gute Karriere ermöglichen? Und, wenn es geht, dürfte es auch ein bisschen mehr Intelligenz sein, und höhere Konzentrationsfähigkeit wäre auch gut.

„Das wollen Menschen nicht.“ Wirklich nicht? Bei einer Umfrage unter Studenten (also denen, die schon eine gute Portion Intelligenz mitbringen) wären 80% Prozent aufgeschlossen für ein Medikament zur Steigerung der Gedächtnisleistung. Hunderttausende legen sich unters Messer, um Fett loszuwerden, Falten zu straffen, Busen zu vergrößern oder ihren Körper sonstwie zu optimieren. Wer glaubt ernsthaft, dass es große Widerstände gegen weitere Möglichkeiten der Optimierung gibt?

Und selbst wenn es die gäbe, was würde passieren? In irgendeinem Land der Welt würden diese Optimierungsmaßnahmen erlaubt werden. (Nur mal zur Info: Chinesische Wissenschaftler haben CRISPR/Cas9, also das Gotteswerkzeug, bereits an menschlichen Embryonen ausprobiert.) Stellen Sie sich mal vor, dass Millionen neugeborener chinesischer Babys eine zehn bis zwanzig Prozent erhöhte Intelligenz hätten. Wie lange würden die USA zögern, bis sie ihren Bürgern Ähnliches erlauben? Und wie lange würde eine europäische Regierung ein Verbot durchhalten können? Natürlichkeit hin oder her, keine Regierung wird sich den Vorwurf erlauben können, ihre Bürger „dumm“ zu halten.

Wir sollten uns also darauf einstellen, dass diese Zeiten kommen werden, bei den rasanten Fortschritten eher früher als später. Manche halten diese Entwicklung sogar für den nächsten Schritt der Evolution. Bisher sind Veränderungen und Weiterentwicklungen zufällig erfolgt, bis sie die heutige Intelligenz hervorgebracht haben. Jetzt ist die Intelligenz so weit gediehen, dass die Menschheit sich gezielt weiterentwickeln kann. Wohin das führen wird? Es wird mit Sicherheit atemberaubend werden – im positiven wie auch im negativen Sinn, denn die Missbrauchsmöglichkeiten werden genauso rapide anwachsen. Sportler, die ihren Körper dazu bringen, sein eigenes EPO zu produzieren, sind da noch die harmlose Variante.

Bevor uns der Atem endgültig stockt, lassen Sie uns noch auf einen Blick auf eine Schulhofdiskussion werfen, die die Kinder der Eltern aus der Anfangsdiskussion führen könnten:

„Du bist doch bloß ein künstlich gezeugtes Designer-Baby.“

„Was willst du denn, du zufällig zusammengewürfelter Genmix? Deine Eltern hatten doch nur ihren eigenen Spaß im Kopf, meine Eltern haben sich Mühe gegeben, als sie mich entworfen haben.“

Tja, eine seltsame Welt, die Zukunft.

 

Foto: © didesign – Fotolia.com

Das Gotteswerkzeug heißt CRISPR/Cas9

Zugegeben, CRISPR/Cas9 ist kein Traumname, aber er lässt viele Wissenschaftler träumen und die dazugehörige Technologie wird unsere Welt ebenso verändern wie die Künstliche Intelligenz.

Was ist CRISPR/Cas9?
Es ist ein System, mit dem man gezielt, einfach und schnell DNA manipulieren kann. Bisher waren Genmanipulationen äußerst zeitaufwendig und zu einem großen Teil auch Glücksache, denn man konnte nicht wirklich steuern, wo der manipulierte Gen-Teil im Genom andockt. Deshalb musste man viele Manipulationen starten und dann herausfinden, welche den gewünschten Effekt hatte. Manchmal hat man einfach manipulierte Teile ins Genom geschossen und dann nachgesehen, wer ungefähr getroffen hat. Jetzt ist alles anders: Der CRISPR-Teil findet den zu manipulierenden Abschnitt im Gen, und dann schneidet der Cas9-Teil das Gen an dieser Stelle durch. So kann man gezielt Gensequenzen ausschalten, ganz herausschneiden und bei Bedarf auch durch andere ersetzen.

Schon bei der alten, umständlichen Methode wurden Milliarden in Genmanipulationen investiert, was wird jetzt passieren, wenn man tatsächlich effektiv manipulieren kann? Die Entdeckerinnen Emmanuelle Charpentier und Jennifer A. Doudna sind erst vergangenen März mit einem Wissenschaftspreis bedacht worden, aber weltweit stürzen sich tausende Wissenschaftler auf diese Technologie – denn sie gibt uns Menschen das Werkzeug in die Hand, das Leben auf unserem Planeten drastisch zu verändern.

Was könnte man mit CRISPR/Cas9 anstellen?

Es gibt Millionen Menschen, denen man heute nur beim Sterben zusehen kann, weil sie unter genetisch bedingten Krankheiten leiden. Denen könnte man helfen. Man schneidet die defekten Gensequenzen heraus oder schaltet sie ab. Aber auch andere Krankheiten kann man jetzt angehen: Eine einzige Injektion des CRISPR/Cas9-Systems könnte ausreichen, um jemanden lebenslang vor einer Herzattacke zu schützen (sagt ein Herzspezialist am Harvard Institut in Cambridge). Bei Versuchen mit Mäusen sank deren Cholesterinspiegel innerhalb weniger Tage um 35 bis 40 Prozent. (Gestatten Sie eine ketzerische Frage: Finden Sie Genmanipulationen immer noch schlecht? Oder spüren Sie den Sog der Versuchung?)

Mit Versuchen an Menschen muss man wegen der aufwendigen Zulassungsverfahren noch warten, aber wenn demnächst die Entscheidung ansteht „Mit hundertprozentiger Sicherheit sterben oder mit CRISPR/Cas9 eine Chance haben“, könnte alles schnell gehen.

Bei Tieren ist man schon weiter: Man arbeitet bereits an Moskitos, die gegen Malariaerreger immun sind und sie deshalb nicht übertragen können. Auch die Agrarkonzerne basteln fleißig an Lösungen, z. B. um einen Pilz zu besiegen, der weltweit Bananenstauden dahinrafft.

Also eine Supersache, die bei so vielen positiven Effekten garantiert eingesetzt werden wird. Womit man sich gleichzeitig die Werkzeuge schafft, um die wirklich schwerwiegenden Veränderungen vornehmen zu können. Machen Sie sich darauf gefasst, dass Ihre Kinder oder Enkel in Zukunft vor dem PC sitzen werden und ihre Kinder entwerfen. Utopie? Ferne Science Fiction? Wird niemals erlaubt werden? Es wird mit der gleichen Sicherheit kommen, wie man diese Technologie zur Heilung von Krankheiten einsetzen wird, und die jüngeren Leser dieses Blogs werden es noch erleben. (Weil das so wichtig ist, gibt es dazu einen eigenen Beitrag.)

 

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Schneller als Licht geht – mit einem Trick

„Nichts ist schneller als Licht.“ Weiß inzwischen jeder, und trifft sogar bei der „Spukhaften Fernwirkung“, der Quantenverschränkung, zu. (Siehe den vorigen Beitrag.) Aber es gibt einen Trick, wie man das Licht überholen kann. Der ist gegenüber dem Licht nicht ganz fair, aber das stört uns nicht wirklich.

Der Trick ist: Nicht mehr beschleunigen, um es zu überholen, sondern das Licht auszubremsen. Geht nicht? Doch, geht. Licht ist nämlich nur im Vakuum unüberholbar schnell. In Wasser oder Glas sieht das anders aus. Mit dem richtigen Material kann man Licht auf Fußgängergeschwindigkeit abbremsen.

Wenn Sie also den passenden Kristall auf Ihrem Küchentisch aufbauen würden und einen Lichtstrahl hineinschicken, dann können Sie bequem um den Tisch laufen und wären schneller am Ziel, als der Lichtstrahl. Sie dürften dann mit Fug und Recht behaupten, sie könnten sich schneller bewegen als Licht. Dass sie das Licht dabei ein bisschen behindert haben, müssen Sie ja nicht jedem auf die Nase binden 🙂

Nur eine Spielerei? Nein, denn diese Möglichkeit öffnet uns zwei hervorragende Perspektiven:

  1. Der Lichtstrahl in der Tasche.
    Vielleicht kennen Sie das Märchen von den Schildbürgern, die ein Rathaus ohne Fenster gebaut hatten. Um das Problem zu beheben, kamen sie auf die Idee, das Licht wie Wasser mit Eimern einzufangen und im Haus wieder rauszulassen. Was in diesem Fall natürlich nicht funktioniert, könnte in Zukunft gehen. Man kann einen Lichtstrahl nicht nur abbremsen, sondern komplett anhalten. Er steckt dann in dem Kristall fest. Man kann ihn aber wieder herauslocken, wenn man ihn mit einem anderen Lichtstrahl anschubst. Um ein Haus zu beleuchten gibt es natürlich bessere Methoden, aber mit einem Lichtstrahl kann man Informationen transportieren. Ein Passwort, ein Bild oder einen Film. Die könnte man quasi in einem Kristall parken und durch Anschubsen wieder hervorlocken. Noch ist dieses Verfahren zu aufwendig, aber vielleicht werden unsere Kinder einmal einen geparkten Lichtstrahl in der Tasche haben.
  2. Und doch noch schneller als das Licht.
    Ich gebe in dieser Hinsicht ja nicht auf 🙂
    Sicher, die Sache ist ein Trick und hebt die Obergrenze „Lichtgeschwindigkeit“ nicht auf. Aber besteht unsere Technologie nicht oft aus Tricks? „Metall ist schwerer als Luft, also kann Metall nicht fliegen“, ist doch auch eine unbestreitbare Wahrheit. Oder? Aber wenn man ein bisschen trickst, also das Metall geschickt verbiegt und dann beschleunigt, fliegt es plötzlich doch. Man nennt es dann „Flugzeug“. Das ist nämlich nicht viel mehr als geschickt gebogenes und beschleunigtes Metall. Und Sie fliegen dank dieser angewandten Tricks in Urlaub.
    Das Gesetz, dass Lichtgeschwindigkeit die schnellste mögliche Geschwindigkeit ist, gilt unbestritten – im Vakuum unseres dreidimensionalen Raums. Mathematiker und Physiker rechnen inzwischen aber mit mehr Dimensionen. Viele davon sind winzig klein, aber ich bin zuversichtlich, dass sich auf diesem Weg noch einiges „tricksen“ lässt. Wir haben nur noch nicht herausgefunden, wie wir die Sachen entsprechend „verbiegen“ müssen, damit sich unser „Metall“ nicht nur in die Luft erhebt, sondern das auch sehr sehr schnell tut.

 

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Wie schnell ist „gleichzeitig“?

Diese Frage hat mich mal sehr fasziniert und meine Phantasie angeregt – bis sie gestern geplatzt ist. Auch so etwas passiert bei Recherche.

Worum geht es? In der Welt der Quanten kann man Teilchen miteinander verschränken, das bedeutet, dass ihre Eigenschaften voneinander abhängig sind. Nehmen wir mal an, man nimmt ein energiegeladenes Lichtteilchen und macht daraus zwei schwache Lichtteilchen, die dadurch verschränkt sind. Jetzt schießt man eins davon auf den Mond, das andere behält man hier. Wenn man jetzt die Eigenschaften des Teilchens auf der Erde misst, nimmt das Teilchen auf dem Mond gleichzeitig die dazu passenden Eigenschaften an. (Das nennt man „instantan“. Das Wort steckt auch in „Instant-Kaffee“ = Sofort-Kaffee.) Es vergeht keine Zeit, bis das Teilchen auf dem Mond „weiß“, dass sich bei dem Teilchen auf der Erde etwas geändert hat. Irgendwie muss es das doch erfahren haben, denkt man.

Wer dieses Verhalten seltsam findet, ist übrigens in guter Gesellschaft. Selbst Albert Einstein hat darüber gestaunt und dazu gesagt: „Spukhafte Fernwirkung“. Wissenschaftler der Universität Genf haben ausgerechnet, dass die Teilchen mit mindestens 10.000facher Lichtgeschwindigkeit kommunizieren müssten – wenn sie denn miteinander kommunizierten.

Da bekommt die Science Fiction Autoren-Phantasie sofort Beine und denkt: Informationsübertragung schneller als Licht. Endlich!

Falsch gedacht und falsch gehofft. Damit auf diesem Weg Informationen übertragen werden können, muss man sie auf klassischem Weg (z. B. über Funk) abgleichen. Und das geht dann wieder nur mit Lichtgeschwindigkeit. Ärgerlich. So bekommt man die Grenze der Lichtgeschwindigkeit also nicht ausgetrickst. Aber vielleicht gibt es ja noch andere Möglichkeiten, diese Geschwindigkeitsbremse zu überlisten. So einfach gibt eine lebendige Phantasie (und der menschliche Forscherdrang) ja nicht auf.

Zeit ist eine seltsame Sache

Vorausgesetzt, bei der Geburt sind alle Körperteile gleich alt, welches ist dann Ihr jüngstes Körperteil? Ihr Füße. Warum? Weil die Zeit mit größer werdendem Abstand zur Erdoberfläche schneller vergeht.

Bedeutungslose Theorie? Falsch. Inzwischen gibt es optische Uhren, die bemerken, wenn sie zwei Zentimeter angehoben werden. Eben daran, weil sich die Geschwindigkeit der Zeit verändert hat. Das wird vollkommen neue Anwendungsbereiche eröffnen, z. B. bei Erdbebenvoraussagen, Landvermessung, … Vielleicht wird ein zukünftiger Architekt neue Gebäude mit Hilfe von GPS und Uhr vermessen. Einen weiteren Einsatzbereich verrate ich jetzt nicht, weil der in einem der nächsten Bücher vorkommen wird. Dann wäre ja die Spannung weg.

Auf jeden Fall dürfen sich alle, die sich immer wieder über die Entscheidungen der Leute aus „den oberen Etagen“ ärgern, trösten, dass „die da oben“ schneller alt werden 🙂 Wenn der Chef aber viel mit dem Flugzeug unterwegs ist, gilt das nicht, denn wer sich schnell bewegt, altert langsamer. Vielleicht hält Joggen ja auch aus diesem Grund jung: Wer sich bewegt, für den vergeht die Zeit langsamer, als für den, der nur rumsitzt. Möglicherweise hat das Jungbleiben durch Joggen aber auch noch andere Gründe, aber das ist ein neues Thema 🙂

Zeit erscheint uns gewöhnlich als normal. Jeder weiß doch, was das ist. Aber das ist nur so, weil wir so grob gestrickt sind. Je feiner unsere Uhren messen, desto erstaunlicher ist dieses Phänomen „Zeit“. Die besten Uhren sind jetzt so genau, dass sie eine Abweichung von weniger als einer Sekunde in 16 Milliarden Jahren haben! Eigentlich Wahnsinn.

 

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„Das Erbe der ersten Menschheit“ – Unsere Zukunftsaussichten als spannende Saga

Zwischendrin auch mal etwas in eigener Sache: Die Zukunftsthemen, mit denen ich mich fast täglich beschäftige, sind nicht nur ein nettes Hobby. Ich entwickele daraus Geschichten, in denen das, was heute in unseren Labors entwickelt wird, im Alltag vorkommt. Ganz aktuell ist das eine große Fortsetzungs-Serie unter dem Obertitel „Die erste Menschheit“.

Der Gedanke dahinter ist: Es gab schon einmal eine Zivilisation auf unserer Welt, die unserer heutigen Zivilisation um ein bis zwei Generationen voraus war. In der langen Geschichte unseres Planeten wäre das tatsächlich sogar möglich. Diese erste Menschheit erlebt quasi das als Alltag, was bei uns erst im Entwicklungsstadium ist.

Leider hatten sie Pech. Ein Meteoriteneinschlag nahe dem heutigen Yucatán hat nicht nur die Dinosaurier, sondern auch die erste Menschheit ausgelöscht. Aber sie haben in weiser Voraussicht ihre Genome konserviert (da sind wir selbst nicht weit von weg) und sogar den Inhalt ihrer Gehirne (können wir noch nicht, aber wir arbeiten dran). Dieses Erbe, inklusive der Technologie, aus den Genomen und Gehirndaten die Individuen wiederzuerwecken, wurde von den Menschen entdeckt. Und natürlich können wir es nicht lassen, erste Individuen wiederauferstehen zu lassen. Dadurch wird nicht nur die Vergangenheit unseres Planeten sehr lebendig. Auch all das, woran die menschlichen Wissenschaftler heute basteln, wird plötzlich zu erlebbarer Realität.

Dieses Szenario ist der Rahmen für eine spannende Geschichte, denn alles Gute, was uns der Fortschritt bringt, kann man auch anders einsetzen. Das Skalpell, das Leben rettet, kann man auch benutzen, um jemandem die Kehle durchzuschneiden.

Wer Lust hat, in diese spannende Geschichte einzusteigen und die nahe Zukunft der Menschen in seiner Phantasie jetzt schon zu erleben, hat jetzt eine hervorragende Gelegenheit. Der Band „Das Erbe der ersten Menschheit“ ist für ein paar Tage (bis Sonntag, 17.4.) als E-Book für nur 99 Cent zu bekommen.

Z.B. bei Amazon, Thalia, ebook.de, iTunes, aber auch in vielen anderen Shops. Greifen Sie zu!

Selbstfahrende Autos

Gerade schreibe ich an einem Kapitel, in dem selbstfahrende Autos vorkommen. Das sind coole Geräte. Als ich letztens müde auf der Autobahn im Stau stand, hätte ich mir gewünscht, die Augen schließen zu können, Musik zu hören – und am Ziel die Stimme des Autos zu hören: „Pling. Sie haben Ihr Ziel erreicht.“

Oder die Pendler jeden Morgen: Anstatt sich über die Drängler im Stadtverkehr zu ärgern, würde man die Zeitung lesen. Selbst einen Parkplatz müsste man nicht mehr suchen, denn das Auto würde einen vor der Firma aussteigen lassen und dann ab zum nächsten Kunden düsen.

Auch die Polizei würde sich freuen. Nein, nicht nur, weil die Autos alle Verkehrsregeln einhalten. Die Verbrecherjagd wäre so einfach: Man müsste nur das Stimmprofil eines Gesuchten in die Rechner der Autos einspeisen. Steigt dann der Richtige ein, macht es „Klack“, die Türen gehen zu – und das Auto liefert seinen Passagier direkt vor dem Präsidium ab.

Spätestens an dieser Stelle bekommt die Autoren-Phantasie Flügel. Ein Krimi-Autor denkt jetzt sofort an Entführer, die den Auto-Rechner hacken. Der bringt dann das Opfer ganz ohne Aufwand in ein sicheres Versteck. Nur dumme Verbrecher müssen noch raus auf die Straße.

Aber erst die Thiller-Autoren: Da wird auch der Fahrzeugrechner gehackt. Aber dann geht es nicht in ein Versteck, sondern auf einen Abhang zu. Uhh. Allein der Gedanke jagt einem eine Gänsehaut über den Rücken. In einem Auto zu sitzen, das weder Lenkrad noch Bremse hat. Und die Schlucht kommt näher – und das Auto gibt Gas!

Nein. Nein! Ich darf nicht weiterdenken! Ein Thriller ist jetzt nicht angesagt. Ich arbeite an einem neuen Science Fiction Buch – aber spannend darf das natürlich auch sein 🙂

 

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